Stellen streichen, Studiengebühren wieder einführen

Die drei Direkt-Kandidaten der FDP im Kreis Steinfurt (v.l.) Jürgen Mußmann (Steinfurt I), Sascha Nolden (Steinfurt II) und Carsten Anntrup (Steinfurt III). Foto: Achim Giersberg Kreis Steinfurt - Als Direkt-Kandidaten haben sie keine Chance – aber sie wollen sie trotzdem nutzen: Für ihre Partei, die FDP, opfern sie ihre Freizeit und diskutieren an den Infoständen: Jürgen Mußmann aus Greven, Sascha Nolden aus Rheine und Carsten Antrup aus Lienen.



Voller Optimismus präsentiert sich das FDP-Direkttrio beim Besuch in der Redaktion. „Hoffentlich kommt ihr rein“ höre er oft an den Info-Ständen, sagt Sascha Nolden (Rheine) und gibt zu, das „am Anfang nicht so erwartet“ zu haben. Laut Jürgen Mußmann (Greven) „haben die Leute erkannt, dass die CDU ein Korrektiv braucht“ und Carsten Antrup (Lienen) registriert erfreut, dass „80 Prozent Flyer entgegen nehmen.“

Info-Stände in den Fußgängerzonen sind allen Dreien in diesen Tagen zur zweiten Heimat geworden. Dort erklären sie auch, dass ihnen die Zweitstimme eigentlich lieber ist als die Erststimme, nur Nolden sieht das anders: „Ich kämpfe um jede Stimme“.

Kommt für sie nur die CDU als Koalitionspartner in Frage? „Gar keine Aussagen" zu diesem Thema möchte Nolden machen, sagt dann aber doch, die FDP sei „zu allen demokratischen Parteien relativ offen“. Das große liberale Thema in diesem Wahlkampf sei die Sanierung des Haushalts – „damit wir nicht zum Klein-Griechenland mitten in Deutschland werden“, wie Mußmann mahnt. Aber wo genau soll gespart werden? Antrup sieht schon mal rund 100 Stellen im NRW-Umweltministerium als Streichmasse – die seien nur für „überflüssige Kontrollen“ da. „Die Studiengebühren wieder einführen“ werde neue Einnahmen bringen, ebenso ein „sozialverträglicher Abbau von Personal“, meint Nolden. Alle Stellen, die nicht im Dienste der Bürger stünden, müssten auf den Prüfstand.

Fürchtet die FDP noch die Rache der Wähler für ihre Steuergeschenke an Hoteliers? Lange Zeit war das das Aufregerthema schlechthin. Antrup winkt ab. Das ganze sei eine „Geschichte voller Missverständnisse“; die Angleichung der Steuerbedingungen für Hoteliers in Deutschland und dem benachbarten Ausland hätten damals alle Parteien gefordert. Dass das Thema heute noch eine Rolle spielt, glaubt er nicht.

Lieber sprechen die Drei über die Freiheits- und Bürgerrechte: „Toll, wie Sabine Leutheuser Schnarrenberg das mit der Vorratsdatenspeicherung macht.“ Gegen die Dichtheitsprüfung sei die FDP und gegen eine Beschneidung der Ladenschlussgesetze. Den Nichtraucherschutz möchte sie nicht verschärfen, illegale Drogen keinesfalls legalisieren. „Irgendwo hört die Liberalität auch auf.“

Wie ein Aufputschmittel habe allerdings Spitzenkandidat Christian Lindner auf die Partei gewirkt. „Er setzt intern Kräfte frei und kommt auch außen gut an“, freut sich Mußmann. Alle seien sich einig, dass er der beste Kandidat für die FDP sei.

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 30.04.2012 - Fotos und Artikel: Achim Giersberg