Freiheit, die er meint

Carsten AntrupLienen. Alles, was nach Verbot riecht, bereite ihm ein Unbehagen. „Das ist, glaube ich, schon seit meiner Geburt so“, sagt Carsten Antrup. Diese Abneigung gegen pauschale Restriktionen lässt auf eine ausgeprägte Freiheitsliebe schließen. Dass der Lienener seine politische Heimat bei den Liberalen gefunden hat, liegt nahe, ebenso wie seine Kandidatur für den Nordrhein-Westfälischen Landtag.

In seiner Wahlbroschüre betont er das Liberale: Als „Ihr Freiheitskämpfer“ bezeichnet sich der IT-Projektmanager darin. Das klingt zunächst ganz schön dick aufgetragen. Seine Glaubwürdigkeit unterstreicht der FDP-Kandidat allerdings damit, dass er den Freiheitsbegriff auf Themen ausdehnt, die ihn unmittelbar beeinträchtigen könnten:

So bezieht er als Nichtraucher gegen ein „totales Rauchverbot in NRW“ Stellung. „Wir sollten uns zu einer Gesellschaft entwickeln, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt“, sagt Antrup. Dabei müsse alles einem Abwägungsprozess unterzogen werden. „Es gibt viele Orte, an denen der Nichtraucherschutz sehr sinnvoll ist“, erklärt der Lienener. Die Eckkneipe sei nicht zwangsläufig so ein Ort.

Einen Abwägungsprozess hatte Antrup auch seinem Eintritt in die FDP vorangestellt. „Ich glaube nicht, dass jemand eine Partei findet, mit deren Inhalten er zu 100 Prozent übereinstimmt“, erläutert Antrup. Mit den Liberalen hatte er die größte Schnittmenge. „Datenschutz und Bürgerrechte – das habe ich so nur bei der FDP gefunden.“ Er wünsche sich, dass die Bürger bei der Landtagswahl ebenso verfahren würden. „Die Leute sollten sich die Programme der Parteien anschauen und dann entscheiden.“ Antrup empfiehlt den Wahl-O-Mat, den die NRW-Landeszentrale für politische Bildung im Internet unter www.wahlomat.nrw.de anbietet.

Seit 2008 engagiert sich Antrup im FDP-Ortsverband in Lienen. „Dem damaligen Vorsitzenden habe ich gesagt, dass ich nicht eingetreten bin, um ein stilles Mitglied zu sein“, erinnert er sich. Inzwischen ist Antrup Ortsvorsitzender, stellvertretender Vorsitzender im Kreisverband Steinfurt, Mitglied des Bezirksvorstands Münsterland und seit Ende März Landtagskandidat. Eine längere Vorbereitungszeit für den Wahlkampf hätte er sich aber schon gewünscht.

Die FDP-Landtagsfraktion hat mit ihrem Nein zu weiteren Schulden im NRW-Haushalt die Neuwahl eingeleitet. Nun drohen die Liberalen an der Fünfprozenthürde zu scheitern. Das nehme die FDP halt in Kauf. „So eine Haltung macht mich als Menschen aus“, sagt Antrup: „Rückgrat zeigen, auch wenn es nicht unbedingt einen persönlichen Vorteil einbringt.“

„Ich werde mich für die Menschen des Tecklenburger Landes in Düsseldorf einsetzen“, verspricht Antrup in seiner Wahlbroschüre. Ein paar Schlaglichter auf seine Positionen: Antrup ist ein Verfechter der Studiengebühren: „Wenn nicht der Student zahlt, müssen es seine Kinder.“ Er tritt für ein zweigliedriges Schulsystem ein: „Chancen zum Aufstieg dürfen keinesfalls verbaut werden, im Gegenteil, weitere müssten eröffnet werden.“

Der Lienener spricht sich gegen eine Reaktivierung der Nordbahn aus: „Das ist etwas für Nostalgiker, aber aufgrund der Kosten unvernünftig.“ Er ist für den sechsspurigen Ausbau der A1: „Der Verkehr ist da, es müssen intelligente Lösungen gefunden werden – für die Schienen, für die Wasserwege und eben für die Autobahnen.“ Antrups Hauptanliegen ist aber wohl: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Menschen keiner Flut von Verboten ausgesetzt werden.“

 

QuelleChristoph Granieczny, Neue Osnabrücker Zeitung, 04. Mai 2012